Entschuldigt meinen Ausfall im letzten Eintrag.
Manchmal überrollt mich eine grenzenlose Wut und seltsamerweise kann ich ihr einfach so nachgeben, weil ich weiß, dass endlich mal eine Reaktion meinerseits zu erwarten ist.
Sollte sich jemand angegriffen gefühlt haben, so möchte ich dies entschuldigen. Es ist sonst nicht meiner Art, andere zu verletzen.
Ach ja. Karneval.
Ich wohne in einer Stadt, in der Karneval das Ereignis des Jahres ist. Der Rosenmontagsumzug wird im Fernsehen übertragen und von Altweiber bis Aschermittwoch ist die komplette Stadt im Ausnahmezustand. Nein, es ist nicht Köln.
Jedenfalls habe ich mich wieder rege beteiligt. Nicht unbedingt im Verkleiden, das auch,aber ich meine damit eigentlich den Alkoholkonsum.
Und weil ich unreflektiert ohne Ende bin, habe ich natürlich gedacht: "hey, trink doch einfach was, da gehts dir doch immer gut!" Genau das hab ich auch gemacht.
Ich hätte es lassen sollen.
Lustigerweise vertrage ich ungefähr die Alkoholmenge einer Weinbrandbohne oder etwas genauer gesagt: zwei Bier und ich bin weg. Gestern hab ichs mir natürlich nicht lumpen lassen und habe einfach alles kreuz und quer in mich reingeschüttet. Bier, Whiskey, Liköre, noch mehr Bier...und natürlich war ich mit meinem Freund unterwegs, dem Alkohol erst ab einer gewissen Literzahl wirklich zusetzt.
Kurz zur Erinnerung: Mein Freund denkt, ich wäre "clean". Keine Dummheiten, keine Bulimie. Dem ist nicht so, aber ich kann ihm das nicht sagen.
Jedenfalls war ich ziemlich zu und über seltsame Überleitungen gelangten wir zum Thema "Übergeben durch Alkohol". Mein Freund übergibt sich öfters mal aufgrund des Alkohols, ich habe das noch nie. Bei mir ist es eben das Essen.
Als ich meinte, ich fände es eklig, mich zu übergeben (was auch stimmt), sagte er, das wäre doch natürlich und bei einer gewissen Alkoholmenge für den Körper die letzte Notlösung. Irgendwie fand ich es ja süß, dass er meinte, mir müsse es nicht peinlich sein, mich vor ihm zu übergeben. Spätestens wenn ich schwanger wäre, würde das passieren :)
Die Diskussion ging noch ein wenig weiter, bis ich ihn fragte, wie er mich einschätze im Bezug auf Dummheiten und Bulimie. (Auf solche Sachen komme ich auch nur, wenn ich betrunken bin).
Er sagte, er habe den Eindruck, dass ich mit beiden Sachen erfolgreich abgeschlossen habe. Zum einen sähe an meinem Körper keine Verletzungen und er finde, ich habe mein Essen ziemlich im Griff.
und alles, was ich dazu noch sagen konnte, war ein: "Da hast du dich aber gehörig verschätzt."
Er hat noch einige Male nachgefragt, wie ich das denn meine, aber mal im Ernst: diese Antwort ist doch gerade zu eindeutig.
Heute hat er nicht nachgefragt. Vielleicht hat er es schon wieder vergessen
Warum kann ich nicht ehrlich zu ihm sein?
Ich weiß doch ganz genau, dass er mich nicht verlassen würde. Niemals.
"Wenn ich wüsste, dass du dich jeden Tag übergibst oder mehrmals im Monat, ich würde mir große Sorgen machen. Und ich würde dir helfen.Egal wie, aber das könnte ich nicht so stehen lassen."
Das hat er zu mir gesagt.
Und ich ignoriere es einfach.
Warum?
Warum?
Angst, Schwäche. Das aber kannst du ändern. Niemand muss ohne Hilfe auskommen. Zeig Stärke und nimm die liebe Hilfe an, wenn er dir schon die Hand reicht.
AntwortenLöschenWow, danke für deine Worte, vor allem das Zitat am Anfang, das war wirklich - Wow, und so passend.
AntwortenLöschenDeine Worte waren so liebevoll, so richtig. Und ich habe mir sie wirklich zu Herzen genommen. Ich habe geweint, mir erlaubt mich in meinem Zimmer zu verkriechen und traurige Lieder zu hören. Das tat gut.
Ich finde, grade Bulimie ist eine Krankheit, die mit SO viel Scham verbunden ist. Ich kann meiner Mutter einfach alles sagen, sie ist immer für mich da und ist immer mit Verständnis an die Essstörung ran gegangen - und doch kann ich mit ihr nicht darüber reden. Es hat sogar Ewigkeiten gebraucht, bis ich meiner Therapeutin davon erzählt habe. Ich glaube, man kann einem Menschen noch so sehr vertrauen, ein Stück weit bleibt immer die Essstörung, die flüstert, bitte nichts zu verraten. Vielleicht auch, weil das beinhalten würde, etwas zu verändern. Und man dafür noch nicht bereit ist.
Alles Liebe <3
Phila er kann dir nicht helfen. Du schaffst es ja selber nicht. Ich Versuch seit neun Jahren aufzuhören. Ein paar Jahre war ich sauber. Die Krankheit, Sucht,ie auch immer man es nennen mag holt dich wieder ein. Immer wieder.
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