Montag, 28. Januar 2013

5

Eine Woche ist es her, seitdem ich das letzte Mal geschrieben habe.
Und es gibt keinen Fortschritt, eher Rückschritt.

Unter der Woche essen und brechen, am Wochenende glücklich sein und kaum etwas essen (ich habe dann tatsächlich keinen Hunger, weder körperlichen noch seelischen). Und kaum ist er wieder weg, stehe ich in meiner Wohnung und im Kopf gehe ich alle Lebensmittelpackungen ab, die sich irgendwo in der Wohnung befinden.

Ich kacke nur noch ab. Auf ganzer Länge. Das einzige Essen, das tatsächlich drin bleibt, ist mein Frühstück und etwas Gemüse in der Schule. Und zuhause bleibt nichts in mir.
Und ich frage mich, warum meine Hosen locker sitzen und mein T-Shirt nicht mehr über der Brust spannt.

Und da ist diese Ahnung, dass ich alles in den Sand setze.
Dass ich mir immer zu viel vornehme, und am Ende doch nichts klappt.
Es zermürbt mich, dass ich jeden Tag lernen muss. Und jeden Tag muss man essen.
Lernen schaffe ich noch, aber Essen überfordert mich. Essen.
Es gibt Menschen, die so gerne Essen. Und die sich stundenlang mit Kochen beschäftigen können.
Versteht mich nicht falsch, ich kann das auch.
Ich kann mich stundenlang mit Essen beschäftigen. Aber ich genieße es nicht und wenn doch, dann nur, weil ich weiß, es wird meinen Körper wieder verlassen.

Ich hasse mich für dieses dauernde Versagen. Ich will Kämpfen, ich will mich ändern.
Aber wenn ich abends nach Hause komme, zermürbt von 10h Arbeit, da habe ich keine Kraft mehr, mich auch noch gegen mich zu stellen.

Heute war ich einkaufen. Nur Obst,Gemüse und Joghurt. Ich habe mich so schlecht gefühlt. So schlecht. Für einen Moment dachte ich "bestimmt sehen sie dir an, dass du das alles wieder erbrichst.".
Ich vermeide es, zweimal hintereinander in den gleichen Supermarkt zu gehen. Es ist einfach so peinlich. Ich kann doch nicht an zwei Folgetagen einkaufen gehen. Vor allem, weil die Menschen an der Kasse immer die gleichen sind. Bestimmt kennen sie mich alle schon. Es ist ja auch nicht so, dass ich ein Allerweltsgesicht habe und ich habe ein paar recht auffällige Äußerlichkeiten.
Bestimmt, ganz bestimmt, weiß jeder dort, wer ich bin und was ich kaufe und wie viel und wie oft.

Essen ist so schrecklich kompliziert.
Komischerweise ist auch nicht essen kompliziert. Seltsam, seltsam.
Dabei ist es doch

nur

Essen.


"Der Trick ist atmen, die Antwort einfach nicht zu fragen 
Endlich Laufen lernen
Endlich angefangen aufzuhören".

Casper - Auf und davon 

Sonntag, 20. Januar 2013

4

Es gibt keinen Tag, der schlimmer ist, als der Sonntag.
Selbst der Montag ist ein Spaziergang gegen diesen Tag. 
An Sonntagen langweile ich mich, was darin endet, dass ich ständig zwischen Kühlschrank und Badezimmer wechsle. Heute hatte ich mir einen Plan gemacht, erst 45min laufen gewesen, geduscht, gelernt, ein bisschen geschlafen. Dann war alles von der Liste gestrichen und es fiel mir nichts besseres ein, als zu essen und zu erbrechen.

Meine Anfälle haben sich sehr geändert.
Früher habe ich bei solchen Anfällen ein ganzes Brot verdrückt, Unmengen Süßigkeiten, Nudeln, Reis, Nüsse, alles,was ich eben so finden konnte. Und erst wenn wirklich alles in mir war, kippte ich 2l Wasser in mich und gab es wieder von mir.
Heute ist es anders.
Ein Anfall heißt heute: einen Joghurt und 200g Quark und ein Apfel. Andere Leute würden das als Zwischenmahlzeit sehen, vielleicht als Frühstück. Aber doch nicht als einen Essanfall.

Im Moment ist es mit dem Essen schwierig geworden.
ich habe genau drei Sachen im Kühlschrank: Äpfel, Möhren, Joghurt. In überschaubaren Mengen. Damit ich auf solche Späße wie Essanfälle überhaupt nicht mehr komme.
Denn mal ehrlich: Obst, Gemüse und fettarmer Joghurt befriedigen nicht das, was man mit so einem Anfall erreichen will.
Eigentlich will man während einem Anfall alles verbotene hinunterschlingen, es dann wieder loswerden und sich insgeheim freuen, dass man all das haben konnte, aber eben nicht auf der Hüfte haben wird.
Ich bin gerade so weit, mir wieder alles zu verbieten, was Spaß macht und gut schmeckt, nur, damit ich lerne, ohne diese Anfälle klar zu kommen.

Es nicht ratsam und ich weiß, dass das eventuell wieder in die Magersucht fließen kann.
Aber das ist mir mittlerweile lieber als dieses ewige Fressen und Spucken. 
Ich stelle mir schon die Frage, wenn ich Richtung Bad gehe, was der ganze Scheiß jetzt wieder soll. Ob ich aus dem gestrigen Tag nicht schlauer geworden bin. Während ich mich übergebe, beschimpfe ich mich in meinen Gedanken, nur so klappt es. "Dumme Kuh, du kannst echt nichts, außer Fressen und Kotzen!"
Hinterher halte ich für eine gefühlte Ewigkeit meinen Kopf unter das eiskalte Wasser, wische mir mit Taschentüchern über die Hände und drücke mein Gesicht ins Handtuch.
Und natürlich der obligatorische Gedanken:"morgen wird sich alles ändern"

Aber es wird sich morgen nichts ändern. vielleicht werde ich mich nicht wieder übergeben, aber mein Kopf wird mir trotzdem zu verstehen geben, dass ich nichts wert bin. Dass mein Wert von konsumierter Nahrung abhängt. Und abends werde ich mir, wie jeden Abend, sagen, dass man doch etwas essen muss. Ich beginne zu essen, denke, dass ich ja jetzt gerade auf dem Weg bin, Gesund zu werden und noch ehe ich mich versehe, ist die magische Grenze überschritten. Das Esstempo nimmt zu, nur nicht zu viel Zeit verplempern, der Körper grabscht doch nach jeder Kalorie. Essen, Erbrechen, Gewissensbisse. Und dann...jeden Tag wieder.



Samstag, 19. Januar 2013

3

Wochenende. Es gibt kaum etwas, vorauf ich in den letzten Wochen mehr hingefiebert habe, als auf dieses Wochenende.
Nach drei Wochen sehe ich endlich meinen Freund wieder. Vor einem Jahr haben wir in der gleichen Stadt gelebt, dann hat es uns beide in unterschiedliche Richtungen verschlagen und nun leben wir von Wochenende zu Wochenende. Freitag, Samstag, Sonntag - etwas kostbareres gibt es nicht.
Wenn man jemanden lange nicht gesehen hat, scheint es, als wäre man sich in den ersten Minuten vollkommen fremd. Vorsichtig tastet man nach dem anderen, nicht sicher, ob sich in den letzten Wochen etwas verändert hat. Die Sehnsucht ist größer geworden, das Fehlen von Berührungen stört. Und plötzlich wird man von seiner Last erlöst, darf für zwei Tage wieder froh sein.
Kaum ist er weg, verfalle ich in meine alten Muster.
Wenn er da ist, habe ich alles vergessen. Ich mache mir über das Essen keine Gedanken oder über meinen Körper oder über sonstige Kuriositäten aus meiner Gedankenmurmel.
Noch Sonntagabends fängt alles wieder von vorne an, ich schleppe mich durch die Woche, um Freitags in eine Ruhephase zu fallen und den Kopf anzuhalten.

ich kann nicht behaupten, dass ich das toll finde. Es ist seltsam, dass ich am Wochenende zurecht komme, wenn jemand bei mir ist. Aber unter der Woche muss ich alleine kämpfen und es ist so viel schwerer, wenn niemand dabei die Hand hält.

Gestern ist mir aufgefallen, dass ich fast eine Woche lang komplett in der Bulimie versunken war. Eine positive Änderung ist mir jedoch aufgefallen: waren es vorher zwei bis drei Anfälle, ist es mittlerweile nur noch einer und auch nicht mehr in den Maßen.
Ich hoffe, lediglich alle zwei Tage diesen Essen-Brechen-Kreislauf durchlaufen zu müssen. Und dann die Spanne immer weiter auszubauen.
Das Jahr ist noch jung, es wird machbar sein.

Mittwoch, 16. Januar 2013

2

Ach ja, es war ja eigentlich sehr klar.
Je mehr man sich bemüht, umso mehr wird es definitiv scheitern.
Ich will hier jetzt auch nicht ausführen, wie meine letzten beiden Abende ausgesehen haben, aber es ist zu vermerken, dass ich mein Bad mehr als einmal besucht habe und der Kühlschrank ordentlich leer ist.
Heute ist mir aufgefallen, dass ich mit weniger Essen besser zurecht komme und es dann nicht unbedingt im Anfall enden muss. Zumindest dauert es länger, bis es dazu kommt.
Außerdem streikt mein Körper zunehmend: Halsschmerzen, Kieferschmerzen, die Hände und Mundwinkel sind offen, Kopfschmerzen.
Langzeitschäden habe ich übrigens auch anzumelden: Ich habe Herzrhythmusstörungen und meine Nierenfunktion ist eingeschränkt. Je weniger ich esse, desto besser geht es meinem Magen. Sodbrennen und Bauchschmerzen sind auch nach kleinen bis normalen Portionen normal (weshalb in meiner Handtasche immer(!!) Tabletten gegen Sodbrennen und Magendrücken sind).
Meine Verdauung ist ziemlich aus dem Takt und ich möchte nicht wissen, wie meine Blutwerte sind.

Alles in allem hat mich die Bulimie seit fast 5 Jahren niedergemäht und es war nur eine Frage der Zeit, bis es meinem Körper zu schaffen macht.
Die ersten Folgen traten vor etwa 3 Jahren auf, als ich 2 Jahre an Bulimie erkrankt war. Zuerst wars der Magen, dann das Herz, jetzt die Niere. Ich frage mich, ob ich in 5 Jahren vielleicht ernsthaft krank bin und/oder meine Zähne komplett ersetzen lassen muss.
Es ist nicht so, dass ich schlechte Zähne hätte. Durch das Wissen um Magensäure und all dem Kram, der fast jeden Tag meine Zähne passiert, achte ich umso mehr auf die Beißerchen.
Aber auch bei denen wird es in geraumer Zeit soweit sein, dass da was gemacht werden muss.
Im Moment sind meine Zähne extrem hitze-und kälteempfindlich. (Kälte ist jedoch schlimmer als Wärme), die Ränder der Zähne sind durchsichtig, an manchen Stellen ist die Kauoberfläche abgeschürft, das Zahnfleisch.....welches Zahnfleisch?

Nach nur 2 Jahren hat sich mein Körper komplett gewehrt. Und ich schieße 3 Jahre lang trotzdem nach. Ich merke immer mehr, wie ich versuche meinen Verstand zu überlisten, und weiß doch ganz genau, dass mein Körper schön langst nicht mehr will und kann.

Meine Gesundheit war mir sehr lange egal, aber jetzt möchte ich nur noch einen glücklichen, zufriedenen Körper.
Dünn sein ist das doch alles nicht wert.

Montag, 14. Januar 2013

1

Seit einiger Zeit mache ich mir darüber Gedanken, ob ich ein Esstagebuch führen soll.
Auf der einen Seite sind da natürlich die positiven Seiten:
Man hat einen Überblick über sein Essen, sieht ob es zu viel oder zu wenig war.
Es ermöglicht eine gewisse Art von Kontrolle über das Essverhalten, das gerade ja dann wichtig ist, wenn man (wie bei der Bulimie) nur unkontrolliert essen kann.
Aber andererseits gibt es auch negative Seiten:
Man möchte möglichst wenig im Esstagebuch stehen habe, sonst wirkt man ja gierig und verfressen.
Außerdem ist gerade die Kontrolle ein Problem. Ich habe zu sehr angst, dass ich vielleicht doch wieder zu kontrollsüchtig werde und dieses Magersuchtsgehabe wieder anfängt. (und darauf hab ich noch weniger Lust).


Ich denke, ich werde es mal eine Zeit lang versuche und schauen, ob es mir gut tut oder eher weniger.
Vielleicht brauche ich auch dieses aufschreiben und besinnen auf das eigene Verhalten.
Manch einem hat es schon geholfen.


Ansonsten müsste ich eigentlich lernen (Physik),aber das ist etwas, was ich so lange vor mir herschiebe, wie es nur irgend geht. Das Fach an sich ist ganz interessant, was man so alles berechnen kann und vor allem wie. Aber ich kann mir keine Formeln merken und ich hoffe, ich versaue es nicht komplett. 

Essenstechnisch lief es heute eigentlich ganz gut. Ich hatte heute abend kurz das Bedürfnis, mir ganz viel ganz schnell zwischen die Kiemen zu schieben, habe dann aber erst mal ein paar Sachen im Haushalt erledigt und danach war die Spannung weg.
Ich sollte mir angewöhnen, mich zu beschäftigen, wenn der Drang kommt. Vielleicht kann ich mich so überlisten.



Quelle: Via

Sonntag, 13. Januar 2013

Press Start

Der erste Eintrag eines Blogs ist wie die erste Seite eines Notizbuches. Man möchte es von Anfang an richtig machen und es muss ja toll und großartig sein. 
Also blättert man ein paar Seiten um und beginnt lieber auf der vierten Seite. Wenn der richtige Moment gekommen ist, kann man immer noch die erste Seite beschriften und einen guten ersten Eindruck erwecken.
Wie oft habe ich bei meinen Tagebüchern genau das gemacht.
Umgeblättert, lieber woanders anfangen.
Dabei waren es private Bücher, die niemand sonst in die Hand nahm, außer ich.
Ich wollte mich selbst beeindrucken. Aber warum eigentlich?
Nun, um zu zeigen, das ich etwas kann. Und wenn dieses Können nur darin besteht, eine weiße Seite in ein Kunstwerk zu verwandeln.

Seltsamerweise beginne ich heute direkt auf der ersten Seite. Vielleicht wird man mit zunehmendem Alter furchtlos?
Vielleicht weiß man mit 22, dass es unwichtig ist, sich über ein Notizbuch Gedanken zu machen.
Vielleicht weiß man aber auch mit 22, was man kann und was nicht.
Ich werde immer Tintenflecke in mein Notizbuch machen, auch auf der ersten Seite.
Ich werde in diesem Blog bestimmt viele Fehler machen und Einträge erstellen, die ich schneller löschen möchte, als es notwendig ist.
Aber ich sollte lernen, dass man gerade im Internet furchtloser sein muss, denn je.

Auf in ein neues Abenteuer!


Quelle: irgendwo von Tumblr, leider habe ich keine genaue Linkadresse!